Sanftmut wird oft missverstanden. Sie wird mit Passivität, Nachgeben und dem bloßen Zulassen von Dingen anstatt deren Gestaltung gleichgesetzt. Häufig wird sie mit Unterwerfung gleichgesetzt, als ob Offenheit, Sanftmut oder Empfänglichkeit automatisch bedeuten würden, Kontrolle oder Selbstbestimmung aufzugeben. Doch in Wirklichkeit sind dies völlig unterschiedliche Dinge, die oft verwechselt werden. Sanftmut ist nicht die Abwesenheit von Stärke. Sie ist kein Gehorsam. Und sie ist nichts, was andere ausnutzen können. Echte Sanftmut ist ein innerer Zustand. Sie ist etwas, das man zulässt, nicht etwas, das einem genommen wird. Vielen Menschen kann Sanftmut ungewohnt vorkommen. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die lange Zeit unabhängig, kontrolliert oder selbstständig waren. Oft herrscht die Überzeugung, dass Wachsamkeit Sicherheit bietet. Viele denken, Stärke bedeute, jederzeit die Kontrolle zu behalten. Sie fürchten, dass Loslassen, selbst nur ein wenig, zu Verletzungen oder Ausnutzung führen könnte. Gleichzeitig …