Geschichten erzählen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen
Es gibt eine bestimmte Art von Geschichte, die die Gesellschaft gern über Sexarbeiter*innen erzählt. Sie ist meist simpel, vereinfacht und bequem: Opfer oder Ausnahme, gebrochen oder gerettet, tragisch oder sensationell. Was sie fast nie ist, ist die Realität. Das Buch „Sex Workers“ schließt diese Lücke und leistet etwas still Radikales: Es gibt die Erzählung denjenigen zurück, die sie tatsächlich erleben. Ohne Vermittler, ohne moralische Einordnung, ohne den Zwang, in Kategorien zu passen, die nie für sie geschaffen wurden. Im Kern geht es dem Projekt um Sichtbarkeit, aber nicht um die Art von Sichtbarkeit, die Menschen zu Objekten der Neugier macht. Es geht um Selbstdarstellung. Das Buch vereint Porträts und persönliche Berichte von Sexarbeiter*innen in Deutschland und schafft einen Raum, in dem Komplexität nicht ausgeblendet, sondern in den Mittelpunkt gestellt wird. Die Menschen in diesem Buch werden nicht auf ihre Arbeit reduziert, aber auch nicht von ihr getrennt. Sie sprechen über ihre Realität auf eine Weise, die sich einer einfachen Kategorisierung entzieht: über Autonomie und Zwang, Selbstbestimmung und Erschöpfung, Wahlfreiheit und Umstände – alles gleichzeitig. Und genau da setzt dieses Buch an …

